Ich hätte mich eigentlich viel eher melden sollen :(
Ich habe das Gefühl, dass es hier noch Leute gibt, die sich Sorgen machen, wenn ich nichts schreibe ...
Aktuell ist leider die Energie nur sehr begrenzt vorhanden und wird fast komplett für das Praktikum gebraucht. Denn auch wenn dieses Spaß macht, sind die 8 Stunden Arbeit doch nicht ganz ohne ...
Aktuell arbeite ich mit Menschen, die die Nervenkrankheit Multiple Sklerose haben. Und zwar in wirklich sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Manche können zumindest noch ein paar Schritte alleine gehen, andere brauchen einen Rollator oder sogar einen Rollstuhl - wobei viele auch einen E-Rollstuhl haben, weil das einfacher ist (und sie dann auch selbständig irgendwo hinfahren können und nicht immer darauf angewiesen sind, dass man sie unterstützt beim Fahren ;) ). Dann gibt es die einen, die sich auch noch selbst im Rollstuhl nochmal richtig hinsetzen können, wenn sie nach vorne rutschen - und es gibt diejenigen, die man wirklich von außen hochziehen muss, weil sie in der Körpermitte gar keine Kontrolle mehr haben. Außerdem gibt es manche, die sich noch sehr gut artikulieren können - während andere kaum noch verständliche Worte von sich geben können und daher auf Sprachcomputer angewiesen sind.
Also insgesamt eine sehr "bunte" Mischung. Genau wie die Aufgaben, die ich dort übernehme. Meistens gehe ich morgens mit anderen Leuten mit, die dort angestellt sind, und nachmittags gehe ich mit einem der Bewohner einkaufen oder wohin der jeweilige Bewohner eben gerade möchte. Besonders schön ist es, wenn man sieht wie die Bewohner "Aufgaben" schaffen, die sie sich selbst kaum noch zugetraut hätten. So einen Fall hatte ich nämlich heute: Ich habe einer Person immer wieder mitgeteilt, dass ich ihr zutraue, selbständig den Schlüssel in die Wohnungstür zu stecken und die Tür zu öffnen - und nach mehreren Versuchen hat diese Person das auch geschafft!
Ich bin einfach der Meinung, dass man Menschen durchaus auch Sachen zutrauen sollte, von denen sie im ersten Moment sagen, dass sie sie ewig nicht gemacht hätten und daher gar nicht mehr könnten. Gut, die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aus dem Rollstuhl aufsteht und wieder laufen kann, während diese Person sonst eher zusammengesunken im Rollstuhl sitzt, ist wohl sehr gering bis nicht vorhanden. Aber es geht ja nicht darum, direkt das "Unmögliche" zu versuchen, sondern es geht darum, kleine / kleinste Schritte wieder zu wagen und eben so scheinbar banale Dinge wie das Öffnen einer Tür, das Anziehen eines Oberteils, das Kochen von Spiegelei mit nur einer Hand, immer wieder auszuprobieren und zu üben. Wieder eigenständiger werden. Wieder neuen Mut schöpfen. Wieder die Freude in das eigene Leben einzuladen.
Bei mir ist es aktuell also sehr chaotisch, meine Energie reicht für die Arbeit - und die Hausarbeit bleibt dann bis zum Wochenende stehen. Dazu kommen ständige und abrupte Stimmungswechsel, Energiewechsel und auch Switches (also ein Wechsel innerhalb des Systems, wenn eine andere Innenperson (mit) nach vorne kommt). Das ist anstrengend und zusätzlich Kräfte raubend. Aber wir sind noch da und wir werden uns da weiter durchkämpfen.
Zusätzlich stehen noch verschiedene "Problemfelder" hier nebeneinander: Unser Vermieter hasst uns und will uns vors Gericht zerren, da wir angeblich grundlos die Miete mindern würden (dabei ist der Schimmel mehr als sichtbar und schon ziemlich massiv). Die erste Rückmeldung für das Studium war eine Absage - also muss jetzt auf die 2. oder 3. Nachrückerrunde gehofft werden und wenn das nichts wird, müssen wir im September dort persönlich zu einer Veranstaltung und auf einen Platz hoffen. Zusätzlich hatten wir aufgrund der Igel im Schuppen (da waren drei oder vier Babyigel gewesen - soooo süüüüüß ) leider Flöhe in der Wohnung, weil ich mein Fahrrad dort abstellen musste - aber zumindest sieht es so aus, als hätten wir diese blöden Flöhe besiegt. Und dann ist da natürlich noch das "allseits beliebte" Problemfeld Gewicht - denn 76 kg sind einfach massiv zu viel. Heißt also wieder: Besser planen, was ich zu essen mit zur Arbeit nehme. Und auch allgemein besser planen und ab Montag mache ich dann wieder HSGD und "verspreche" hiermit, dass ich diesmal auch wirklich durchhalten werde! Mindestens die 30 Tage, besser noch die extended Version (also 90 Tage). Dazu werde ich aber am Sonntag nochmal was schreiben :D
So, und da der Körper langsam mal wieder etwas Schlaf braucht, werde ich mich gleich ins Bett begeben und wünsche euch allen eine geruhsame Nacht <3